Sicherlich eine reißerische überschrift aber ich muss euch einfach mal ein paar Zahlen und Fakten auflisten die ich in den letzten Wochen aufgeschnappt habe. Viele stammen aus dem Artikel “Rettet Grün die Welt?” aus dem Stern Nr. 7 von 08.02.2007.
Die meisten kann man wohl unter dem Punkt Food vs. Fuel einsortieren. Damit wird das Paradoxon beschrieben, dass die westliche Welt ihr Gewissen beim Autofahren damit beruhigt, dass sie die Nahrungsgrundlagen der ärmeren Ländern als Treibstoff verfeuert.
- Durch die gestiegene Nachfrage der USA nach Mais für die Herstellungen von Bioethanol hat sich der Weltmarktpreis für dieses Korn im Jahr 2006 verdoppelt was dazu führte, dass die arme mexikanische Bevölkerung sich das aus Maismehl gebackene Nationalgericht, das Tortilla Brot, kaum noch leisten kann.
- Da man auch aus Zuckerrohr Ethanol gewinnen kann erwarten Experten für die nächsten Jahre einen Preisanstieg um mehr als 60% für dieses Grundnahrungsmittel.
- Auch uns selbst trifft diese Entwicklung. Die Kosten für die Nahrungsmittel von Schweinen, Rindern und anderem Getier wachsen natürlich auch, was langfristig entweder zu mehr staatlichen Subventionen (als ob wir davon nicht schon mehr als genug hätten) oder höheren Endverbraucherpreisen für Fleisch, Eier und Milch führen wird.
- Der Biolandwirtschaftsboom der deutschen Bauern ebbt ab, da es einfacher und rentabler ist als Energiewirt Mais und Raps anzupflanzen. Rentabler ist es unter anderem wegen staatlicher Förderungen und einfach deshalb weil unter Nichtbeachtung sämtlicher ökologischer Grundsätze möglichst große Anbauflächen mit einer Monokultur bepflanzt werden. Dass die Folgen eines solchen Vorgehens eine größere Anfälligkeit für Schädlingsplagen mit sich bringt und die Gefahr von Bodenerosionen erhöht wird völlig außer Acht gelassen.
Ebenfalls absurd ist, dass häufig Stickstoffdünger verwendet wird, welcher Lachgas freisetzt. Und dieses garnicht lustige Gas ist 300-mal so umweltschädigend wie das gute alte CO2.
- Und dann die Energieeffizienz. Betrachtet man ein Feld ganz nüchtern als Kraftwerk, so werden etwa 75 Prozent der produzierten Energie für Anbau und Verarbeitung verbraucht. Daher müssten wir auch ein drittel der Erdoberfläche nutzen um 10 Prozent des Spritverbrauchs (nur Spritverbrauch! nicht Energiebedarf) zu decken.
- Doch es gibt auch positive Prognosen. So geht Chris Somerville davon aus, dass bei Verwendung der richtigen Pflanzen mit nur 3,5 Prozent der Erdoberfläche unser gesamter Energieverbrauch zu decken sein müsste.
- Oder schauen wir uns mal die allerorts angepriesenen Heizungen an in denen Holzschnitzel, Holzpresslinge oder Pellets verfeuert werden. Die produzieren nämlich gigantisch viel Feinstaub und Stickoxide, Stoffe die zu Atemwegs-,Krebs-,Herz- und Kreislaufkrankheiten führen können.
Und zum Abschluss noch ein schönes Beispiel aus dem Stern-Artikel: Die Energiekosten für einen Bioapfel welcher per Schiff über den halben Globus nach Deutschland kommt um per LKW in den lokalen Supermarkt gebracht wird und die für einen hier angebauten und dann monatelang in einem Kühlhaus gelagerten Apfel sind mehr oder weniger identisch.
Wer also ist wirklich umweltbewusst und wer beruhigt nur sein Gewissen? Und wie soll man auf die Food-or-Fuel (Essen oder Treibstoff) Frage eine Antwort finden? Gibt es überhaupt eine?